| Die großen Songs der Popmusikgeschichte
drücken ein Lebensgefühl mit wenigen Mitteln aus. Sie gehen mit
diesen Mitteln zugleich sehr kunstvoll und genau um. Diese Kunst
ist erlernbar.
Die Popmusik hat ihre eigenen musiktheoretischen Gesetze. Ob Beatles,
Eminem, Red Hot Chili Peppers oder Coldplay, es handelt sich um
eine Sprache, die weder mit klassischer Musiktheorie, noch mit Hilfe
von Jazzharmonik verstanden werden kann - dennoch folgt sie einem
System, das für jeden erlernbar ist. Es stellt eine zeitlose, reiche
und inspirierende Grundlage dar für die Erfindung von Melodien,
Akkordfolgen und Rhythmen.
Viele begabte Songwriter schaffen es wegen mangelnder Grundlagen
nicht, ihre Intuition befriedigend umzusetzen. Handwerkliche Fähigkeiten
sind die Basis für gute Songs. Die Analyse von Chart-Erfolgen der
letzten fünfzig Jahre zeigt: erfolgreiche Songs sind gekonnt komponiert.
Die Entscheidungen im Detail entsprechen nachvollziehbaren Formgesetzen,
und zwar weit deutlicher, als es der Ruf von schlafwandlerisch ersonnenen
Superhits erlaubt. Trotzdem leidet das Songwriting unter dem Ruf
des genialen Dilettantentums, was zur Folge hat, dass viele Komponisten
und Musiker immer wieder an den gleichen Fragen scheitern. |